Der Rat des Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau ist am Mittwoch, 17.
Eurodistrikt-Ratssitzung in Benfeld - 2026

Der Rat des Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau ist am Mittwoch, 17. Juni 2026, im Interkommunalen Dienstleistungszentrum in Benfeld zusammengekommen, um den turnusgemäßen Wechsel an der Spitze des Eurodistrikts zu vollziehen und über zukünftige Schwerpunktthemen zu beraten.
Thorsten Erny, Landrat des Ortenaukreises, wurde für eine Amtszeit von drei Jahren zum Präsidenten des Eurodistrikts gewählt. Catherine Graef-Eckert, Vizepräsidentin der Eurometropole Straßburg für internationale Zusammenarbeit und grenzüberschreitende Beziehungen sowie Bürgermeisterin von Lingolsheim, übernimmt das Amt der Vizepräsidentin.
Der Rat begrüßte zudem die neuen französischen Mitglieder, die im Anschluss an die französischen Kommunalwahlen benannt wurden. Catherine Trautmann, neu gewählte Präsidentin der Eurometropole Straßburg und Oberbürgermeisterin der Stadt Straßburg, tritt damit offiziell als ordentliches Mitglied den Gremien des Eurodistrikts bei.
Blick zurück
Ein besonderer Dank galt der ehemaligen Straßburger Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian, deren Präsidentschaft nach nahezu drei Jahren endete. Unter ihrer Präsidentschaft hat der Eurodistrikt wichtige Impulse für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in den Bereichen Mobilität, Klima, Kultur und Zweisprachigkeit gesetzt. So wurden auf Initiative Barseghians mit einem deutsch-französischen Bürgerkonvent im Jahr 2024 und der vom Eurodistrikt im Jahr 2025 in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie wichtige Impulse für das Ziel der grenzüberschreitenden Tarifierung gesetzt.
Zudem wurden die politischen Weichen für eine schrittweise Übernahme der Trägerschaft der grenzüberschreitenden Buslinie 280 Erstein-Lahr ab 2027 durch den Eurodistrikt gestellt. Mit der ersten grenzüberschreitenden Radwegkarte, die die Region für Bürgerinnen und Bürger beidseits des Rheins besser erfahrbar macht, wurde ein langjähriges Bürgeranliegen umgesetzt und die Fahrradmobilität gestärkt.
Im Bereich Umwelt verlieh die Weiterentwicklung des Aktionsplans Klima der lokalen Klimapolitik eine grenzüberschreitende Perspektive. Insbesondere durch das grenzüberschreitende Vernetzen zahlreicher Fachakteure im Rahmen einer deutsch-französischen Exkursion zu innovativen Lösungen für eine nachhaltige Energieversorgung, grenzüberschreitenden Studienreisen oder einem Rundtischgespräch zur Zukunft des Rheins konnte der grenzüberschreitende Schulterschluss in Fragen zu Klimaschutz, Klimawandelanpassung, Renaturierung und Wasserbewirtschaftung gestärkt werden. Parallel dazu wurden insbesondere durch das Bildungsprojekt Spiel & Parle und durch die Unterstützung zahlreicher grenzüberschreitender Kulturinitiativen auch die Förderung der Zweisprachigkeit und die kulturelle Vernetzung im gemeinsamen Lebensraum konsequent ausgebaut.
Jeanne Barseghian bleibt dem Eurodistrikt-Rat weiterhin als Vertreterin der Eurometropole Straßburg erhalten.
Blick nach vorn
In seiner Antrittsrede betonte der neue Präsident Thorsten Erny die besondere Bedeutung des Eurodistrikts für die gemeinsame Entwicklung der deutsch-französischen Grenzregion und kündigte für die kommenden Jahre eine noch stärkere Fokussierung auf die Schwerpunktthemen des Hauses an.
Besonders im Bereich Mobilität gelte es, die erfolgreiche Arbeit des Eurodistrikts fortzuführen. So sollen die Bemühungen um eine Vereinfachung der grenzüberschreitenden Tarifierung weiter vorangetrieben, die Übernahme der Buslinie 280 Erstein-Lahr nachhaltig gesichert und der Aktionsplan Mobilität weitervorangetrieben werden. Mit neuen Angeboten wie einem grenzüberschreitenden gedachten Fahrradverleihsystem bleibt auch die Förderung des Radverkehrs im Blick.
Ein besonderes Anliegen bleibt für Erny die Förderung der Zweisprachigkeit. Dabei sollen neue Impulse gesetzt und die Jugend wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Nach einem für den Herbst 2026 geplanten Fachforum zum Thema Jugend & Sprache gelte es, neue deutsch-französische Beteiligungsformate für Jugendliche zu Demokratie- und Europathemen zu forcieren, die Vernetzung von Schulen und Vereinen zu stärken und auch die kulturellen und musikalischen Verflechtungen beider Rheinseiten im Eurodistrikt zu stärken. Gleichzeitig sollen bewährte Projekte wie „Spiel & Parle“ oder die grenzüberschreitende Fahrradveranstaltung Vélo Gourmand, die dieses Jahr am 20. September entlang der Gemeinden Plobsheim, Eschau, Kehl und Neuried verläuft, fortgeführt werden.
„Der Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau ist ein starkes Beispiel dafür, wie Europa im Alltag der Menschen gelingt. Er verbindet unsere deutsch-französische Raumschaft und schafft durch den regelmäßigen Austausch Vertrauen. Dank der Nähe und gemeinsames Handeln entsteht ein echter Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger auf beiden Seiten des Rheins. Gerade in einer Zeit großer europäischer Herausforderungen ist es unsere Verantwortung, die konkrete grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter zu stärken und sichtbar zu machen – sei es bei der grenzüberschreitenden Mobilität, bei der Förderung der Zweisprachigkeit und insbesondere bei Begegnungen von jungen Menschen“, so Thorsten Erny, Landrat des Ortenaukreises und Präsident des Eurodistrikts, in seiner Antrittsrede. „Viele junge Menschen wachsen heute ganz selbstverständlich in einem deutsch-französischen Lebensraum auf, der von Begegnungen, Austausch und gemeinsamen Projekten geprägt ist, vor allem auch dank der zahlreichen kommunalen Aktivitäten. Das ist ein großer Erfolg der europäischen Zusammenarbeit. Unsere Aufgabe ist es, diese Dynamik weiterzuführen und die nächste Generation dafür zu begeistern, diesen Weg des Miteinanders und der Zusammenarbeit aktiv mitzugestalten“, betonte Erny.
Budgetverteilung
In seiner neuen Zusammensetzung diskutierte der Rat zudem über seine Budgetverteilung und bekräftigte, dass im Sinne einer nachhaltigen Haushaltspolitik Ausgaben und Einnahmen künftig weiterhin stärker in Einklang gebracht werden müssen. Um vor diesem Hintergrund auch die Ausschöpfung des Förderfonds Kultur & Begegnung nachhaltiger und transparenter auszurichten, legte der Rat einen maximalen Höchstbetrag von 5.000 Euro Fördermitteln mit einem maximalen Fördersatz von 35 Prozent der Gesamtausgaben pro gefördertem Projekt fest. Ziel des Förderfonds ist es, in der Fläche des Eurodistrikts möglichst viele grenzüberschreitende Begegnungsprojekte zu unterstützen. Anträge können ganzjährig im Generalsekretariat eingereicht werden.
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